sheila sha


Es begab sich vor geraumer Zeit, an einem Tag im Winter, dass die dicke, graue Wolkendecke aufgebrochen war, um einen Blick in den azurblauen Himmel frei zu geben. Zu der Stunde, als die wärmende Sonne zum ersten Mal nach den eisigen Wintermonaten auf die Schneedecke, die das ganze Land eingehüllt hatte, herabschien, konnte man die Schreie eines neugeborenen Kindes vernehmen. Inmitten der durch die Sonnenstrahlen glitzernden, funkelnden Schneelandschaft, halb umsäumt von einem Hain, lag ein kleines Dorf, nur einige wenige Hütten zählend, aus dessen Mitte das neue Leben entsprossen war. Die Eltern waren voller Freude über ihre erstgeborene Tochter, nie daran zweifelnd, dass sie einmal etwas ganz besonderes werden würde, verliehen sie ihr den Namen Sheila Sha. Doch bereits vier Winter später, dieser hatte das Dörfchen unerwartet früh heimgesucht, war kälter und unerbittlicher als die letzten und wollte einfach nicht enden. In diesem Winter sollte sie ein grausames Schicksal ereilen. Durch den frühen Wintereinbruch war es den Dorfbewohnern nicht gelungen ihre Vorräte vollständig aufzufüllen, was sich gegen Ende des Winters mit immer karger ausfallenden Essensrationen bemerkbar machte, und weshalb sich die Jäger hatten aufmachen sollen, um auf Beutefang zu gehen. Allerdings wurde aus der Nahrungssuche ein regelrechtes Massaker, als die Männer von einem Rudel hungriger Wölfe attackiert wurde, von dem nur ein Bruchteil lebendig, meist jedoch schwer, oder gar tödlich verwundet, zurückkehrte. Viele der Überlebenden waren jedoch so ausgezehrt, dass sich die schrecklichen Wunden, die ihnen zugefügt worden waren, nicht mehr schließen wollten - unter ihnen Sheilas Vater. Von nun an wurde die kleine Sheila von ihrer Mutter aufgezogen. Von ihr lernte sie wie man Verletzungen zu reinigen und verbinden hatte, ohne dass sie hässliche Narben hinterließen. Es ereignete sich an einem Sommertag, dass ein Verletzter im Wald entdeckt und ins Dorf getragen wurde, um ihn dort zu versogen, bis er wieder zu Kräften käme. Der Verwundete wurde bei Sheila und ihrer Mutter einquartiert, und Sheilas Aufgabe bestand darin ihm zu Essen und frisches Wasser zu bringen. Viele Abende verbrachte sie bei dem Fremden, der ihr erzählte, was er erlebt hatte. Jedes Mal, wenn Sheila ihn von den wundersamen Dingen in der Welt erzählte, funkelte es in ihren Augen, und schon bald war klar, dass auch sie ausziehen würde um die Welt zu erkunden, Dinge zu erleben, die sie sich bis jetzt noch nicht einmal hätte träumen lassen. Doch schon bald war der Fremde wieder gesund und zog seiner Wege. Viele Stunden verbrachte Sheila damit einfach auf einer Wiese zu liegen und zu träumen, was sie wohl alles erleben würde, wenn sie erst heraus war aus ihrem Heimatdorf. Dieser Gedanke ließ sie einfach nicht mehr los, doch ihre Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Nie hatte sie die Möglichkeit aus ihrem Dorf zu verschwinden, bis zu diesem einen Tag, als der wandernde Elf ihr Dorf erreichte. Dieser hatte das Dorf entdeckt, und wollte einen Schlafplatz und etwas zu Essen erbitten, bevor er weiterreiste. Doch Sheila hatte ihre Chance erkannt, und versuchte sie zu nutzen. Noch an diesem Abend ging sie zu besagtem Elfen und befragte ihn nach seinen Reisen, woher er komme und wohin er wolle. Wieder hatte sie dieses Glitzern in ihren Augen als sie lauschte, was der Reisende zu berichten hatte, und sie beschloss kurzerhand ihn danach zu fragen, ob er sie mitnehme auf seine Reisen. Im Grunde hielt er sie für zu jung, um sie mitzunehmen, weshalb er sich dachte, dass wohl auch ihre Mutter etwas dagegen hätte. Deshalb schickte er sie zu dieser, um von ihr eine Einwilligung zu holen, ob sie mitdürfe, oder nicht. Allerdings hatte Sheilas Mutter schon längst begriffen, dass sie ihre Tochter nicht mehr hier halten konnte, weshalb sie schweren Herzens ihre Zustimmung gab. Bereits kurz nach Sonnenaufgang brachen die beiden auf, nur das nötigste mit sich führend. Auf ihrem Weg erzählte der Elf weiterhin von Begegnungen, davon waren manche mehr, mache weniger seltsam, aber stets ungewöhnlich. So wanderten die beiden viele Wochen durchs Land, bis sie eines Tages auf eine riesige Kreuzung trafen, neben der ein Wegweiser stand. Ihr Weggefährte erklärte ihr, dass man einerseits nach Visgerath andererseits nach Gareth gelangte, und er nach Visgerath weiterziehen wollte. Doch Sheila wollte unbedingt in die große Stadt Gareth, von der ihr der Verletzte so viel erzählt hatte. So trennten sich die Wege der beiden, und Sheila stand bald vor den Toren Gareths, nicht wissend was sie hinter den Mauern erwarten würde...

-*-*- zurueck -*-*-