Der truegerische Mensch



 


Was ich euch nun berichte ist keine Heldensage oder dergleichen. Es handelt sich um eine Geschichte oder mehr ein Abenteuer, das eines Tages im Gueldenland zwischen einem Garether namens Bjeorn Steinsson, einem Novadi namens Xanthar und mir, Elfe Lyra arrasya, stattfand. Ich erzaehle euch von dem Morgen des Feuertages, 11. Tag der Rahja im Jahre 32 nach Hal, an dem etwas fuer mich sehr merkwuerdiges geschah. Ein vor wenigen Monden in Gareth eingetroffener Mensch namens Bjeorn Steinsson saß auf dem Brunnenrand am Marktplatz von Gareth. Ich kam etwas geschafft zu diesem Platz, legte meinen Rucksack vor Erschoepfung ab und setzte mich zu ihm. Ich habe Bjeorn schon einige male angetroffen und mich immer etwas mit ihm unterhalten um ihn kennenzulernen. Auch dieses mal redeten wir ein wenig und ich hatte keinen schlechten Eindruck von ihm. Doch wurde diesmal wieder mein Vertrauen zu den Menschen enttaeuscht...

Bjeorn verfiel seiner Habgier, griff nach meinem Rucksack und lief davon. Rasch lief ich ihm hinterher und rief, das er sofort stehen bleiben solle. Er tat es nicht. Er floh erst an den Hafen von Gareth und lief weiter quer durch die Stadt. Kurz darauf verlor ich ihn, denn ich hatte mich von meiner Erschoepfung kurz vor dem Attentat noch nicht erholt. Einige Minuten spaeter traf ich Xanthar, ein Novadi den ich als Freund gewinnen konnte. Ich erklaerte ihm meine Lage und er erklaerte sich sofort  bereit mir zu helfen. Ich lief auf der Marschenallee nach Saeden um den Dieb zu erwischen, Xanthar lief nach Norden.

Bjeorn war ins Armenviertel von Gareth geflohen.. doch er lief mir wieder davon. Ueber die Hafenstrasse gelang er wieder auf die Marschenallee, lief diese wohl nach Norden. Xanthar suchte weiter im Norden, so dass er Bjeorn nicht antraf. Ich lief zurueck zum Marktplatz um zu sehen ob Bjeorn vielleicht dort ist. Nein, er war nicht zu finden.

Ich ging zum Suedtor Gareths um mich dort umzuschauen. Und bei Zulhilah, einem Thorwaler der sich hinter dem Tor auf einem Stein ausruhte, traf ich Xanthar an. Er hielt meinen Rucksack in der Hand und gab ihn mir kurz darauf. Sehr erleichtert aber noch immer verbittert ueber das Benehmen des Menschen fragte ich Xanthar, ob er mir hilft den Schuft zu fangen, um ihm eine Lehre zu erteilen. Als ein Freund war er sofort bereit mir zu helfen und wir zogen los. Bjeorn sei nach Sueden, aus Gareth heraus, geflohen berichtete mir Xanthar. Also liefen Xanthar und ich in die Richtung die zu den Nordbergen fuehrte. Alsbald fanden wir Bjeorn bei Arimedes, einem Gaertner auf dem Weg zu den Nordbergen. Bjeorn war so flink, das ich ihn nicht einmal festhalten konnte. Auch Xanthar, der draußen stehen blieb, entwischte er. Wir sahen ihn in die Berge fluechten...

Xanthar rannte ins Trolldorf und ich lief geschwind auf die Berge hinauf wo ich Bjeorn begegnete. Nun konnte ich ihn festhalten. Er fluchte lautstark vor sich hin, doch er konnte sich nicht losreissen. Ich stellte ihn zur Rede. Ich fragte, wieso er das getan habe. Keine Antwort. Er gab keinen Mucks mehr von sich! Ich war sehr veraergert und sagte ihm, wenn ich ihn bei soetwas nocheinmal irgendwie erschwischen wuerde, ich ihm eine Lehre erteilen werde, und lies ihn laufen. Sehr erstaunt und mit keinem einzigen Ton zog er weiter auf die Berge hinauf.... und verlief sich alsbald. Dies wusste ich, denn er kannte sich in den tiefen des Gueldenlandes nicht aus, nur in Gareth.. das erzaehlte Bjeorn mir einst.

Veraergert ging ich zurueck an die Kreuzung vor dem Buchenwirt, in der Naehe des Trolldorfes und kurz darauf kam Xanthar auch dorthin. Ich erklaerte ihm was vorgefallen war und er sah wie verbittert und enttaeuscht ich ueber diesen Vorfall war. Nachdem ich ihm erzaehlt habe, das ich Bjeorn soetwas nicht zugetraut habe und ich mich doch immer wieder bei Menschen und ihrem Verhalten zu irren vermag, bekam Xanthar eine Idee. „Wir sollten ihn in den Finsterwald locken.“ sagte er. Ich überlegte und dachte, dass es nicht unbedingt notwendig sein wuerde, doch Xanthar war ueberzeugt von seiner Idee. Er ueberzeugt mich auch schnell und wir beschlossen genau dort wo wir standen auf Bjeorn zu warten, denn wenn er den Weg finden wuerde, wuerde er bestimmt wieder nach Gareth zurueckwollen.

Nach einer Weile kam Bjeorn ploetzlich an und Xanthar und ich hielten ihn fest. Wir hatten vorher besprochen, das wir Bjeorn in den Finsterwald hineinfuehren und ihm dann sagen, das wir ihn dort weiterlaufen lassen. Doch Bjeorn haben wir erzaehlt, das wir ihn mit nach Gareth nehmen, auch wenn er dies Tat begangen hatte. Ich nahm ihm am Kragen und er weigerte sich nicht weiter und folgte...

Wir kamen an den Eingang von dem beruechtigten Finsterwald, etwas entfernt von Wolfen und ich liess Bjeorn los. Wir sagten, das wir es doch nicht schaffen ihn mitzunehmen und wir ihn hier weiterlaufen lassen. Und so liessen wir ihn im finsteren Walde stehen und gingen flink davon. Einige Minuten verharrten wir vor dem Wald, um sicher zu sein, das er uns nicht gefolgt war. Wir unterhielten uns und waren beide der Meinung, das es richtig war Bjeorn diese Lehre zu unterweisen. Ich dachte an meinen Rucksack und fragte Xanthar wo er ihn eigentlich gefunden habe.
Er sagte er hat ihn bei Burgunde, dem Blumenmaedchen vor der Bank in Gareth, gefunden.

Nach einer Weile nachdenken kam mir die Strafe fuer Bjeorn fast zu hart vor, denn ich sah das es wirklich nur ein dummer Streich war. Trotzdem war es jetzt zu spaet und Bjeorn hat es dennoch verdient, er haette mir den Rucksack nur wiedergeben muessen, und es waere nicht zu soetwas gekommen. Nichteinmal gestellt hat er sich, sondern ist wie ein Dieb davongelaufen. Doch wird er nicht lange in diesem Wald verharren. Sobald Damian, ein Thorwaler und Freund von meinem Ehemann Wompf, hoeren wuerde, das sich jemand  in diesem Wald verlaufen hat, wuerde er ihn  retten, so wie er es einst bei mir tat, als mich meine Orientierung verlies und die Natur mit mir spielte.

Xanthar und ich gingen zurueck in die Hauptstadt des Gueldenlandes. Auf dem Marktplatz ruhten wir uns in einem Gespraech etwas von der hetzerei aus. Wir waren ueberzeugt, Bjeorn wuerde aus diesem Wald wieder herausfinden, wenn es an der Zeit sein wuerde. Ich merkte jedoch, das sich zwei Sachen aus meinem Rucksack entfernt hatten. Mein hoelzerner Speer, 30 Dukaten und ein paar Silberlinge waren nicht mehr dort wo sie einmal waren. Er hatte mich doch um einiges mehr beklaut als ich dachte, und somit stellte sich raus, das es doch kein Streich war.

Am spaeten Abend des Tages kamen Damian und Bjeorn auf den Marktplatz, wo ich mich befand. Mir war klar was vorgefallen war.. es war genauso wie ich es vorhergesehen habe. Damian rettete Bjeorn aus dem Finsterwald. Und gerade als ich Bjeorn erneut zur Rede stellen wollte, kam etwas ganz unerwartetes: Bjeorn lief nicht weg als er mich sah sondern gab mir geschwind meine Sachen wieder, die er noch besass. So bekam ich mein Geld und meine Waffe wieder und wir waren im reinen.

Irgendwie machte Bjeorn einen sehr komischen Eindruck auf mich, seitdem er wieder aus dem Wald zurueckgekehrt war. Er benahm sich gleich einem Kind. Sprang in Pfuetzen und spielte im Matsch. Es war sehr komisch mit anzusehen, aber der Wald hat ihm sichtlich zu schaffen gemacht. Es war eine gerechte Strafe ... er hat daraus gelernt mit einem Wesen derart zu spielen. Selbst ich habe daraus gelernt, den Menschen nicht so leichtfertig zu vertrauen.. sie werden sich niemals aendern, auch wenn sie Reue zeigen.

Niedergeschrieben am
12. Tag der Rahja im Jahre 32 nach Hal,
lyra arrasya

-*-*- zurueck -*-*-