Die ewige Dunkelheit


Letztes Kapitel
So will ich denn vollenden, was die beiden Redner vor mir begonnen. Zur Mittagszeit des 19. Firun, erhielten wir Nachricht von des Koenigs Boten, dass eine Audienz bei Ihrer Koenglichen Majestaet gewaehrt sei. Gar seltsam jedoch empfand, wohl nicht nur ich, den Ort an dem es den Koenig zu treffen galt. Einfinden sollten wir uns so rasch als moeglich bei einem alten Rosengaertner namens Arimedes, welcher seine Heimat in einem Waeldchen des Lichtlandes nicht fern von Gareth hatte. Geschwaecht und ausgelaugt waren unsere Koerper, so erwies sich die Anreise doch als schwieriger wie urspruenglich gedacht, und zweifellos durch die ueblen Kraefte des uns noch unbekannten wurden wir von Sheila getrennt. Erst viel spaeter erfuhren wir, dass sie in die Faenge des geisterhaften Finsterwaldes geraten war.

So fanden sich Shmendric der Thorwaler und meine Wenigkeit schliesslich ohne die getreue Elfe, die ich nur zu gern an meiner Seite gehabt haette, in dem Hause des Arimedes ein. Koenig Arty war voellig alleine mit dem Hausbesitzer dort, und wartete auf unsere Ankunft ohne eine einzige Wache seiner Leibgarde. Hastig versuchten wir dem Koenig zu erklaeren, was denn in seiner Abwesenheit passiert war und welche Hilfe wir uns erwarteten. Arty, ein Vertreter der letzten wahren Herrscher des Gueldenlandes, niemals zuvor traf ich einen des Volkes der Menschen dessen Geist von derartiger Weisheit erfuellt ist, reagierte guetig und gehalten auf unsere Worte. Wie sein Glaube es ihm gebot, empfohl er uns hohe Opfer an die Goetter abzugeben. Natuerlich missfiehl mir dies, doch blieb garnicht viel Zeit darueber zu sprechen denn unser aller letzte Stunde schien geschlagen zu haben als sich der Himmel wie zur Nacht verdunkelte und ein eisiger Wind durch die undichten Fenster den Frost tief in unsere Seelen blies.

Dumpf klingende Schritte naeherten sich der Huette und ein uns nur leider allzu bekanntes Lachen liess uns erschaudern und das Blut in unseren Adern gefrieren. Panisch verliess der Hausherr schnellen Schrittes die Huette worauf Arty trotz seines fuer menschliche Verhaeltnisse "ruestigen" Alters ihm raschest folgte um ihn vor dem Schlimmsten zu bewahren. Vergeblich, des Koenigs Schreie liessen sofort erraten, Arimedes hatte den Tod gefunden, doch wer ihn brachte war uns noch allen unklar. Da ich mir von Anfang an die Schuld an diesem ganzen Unterfangen gab, koennte man meinen nach dieser Tat des Daemons waere ich unter der Last der Geschehnisse zusammengebrochen.Nun, dem war auch so. Doch allem Uebel zum Trotze versuchte ich so gut als moeglich noch Hoffnung zu bewahren, oder diese zumindest vorzugaukeln. Die Furcht vor einer Macht die wohl viel groesser als alles uns bis dahin bekannte war uns allen in die Gesichter geschrieben, doch als ploetzlich der gerade noch leblose Leichnam des Arimedes untot wieder in die Huette schlurfte um kurz drauf wie ein nasser Sack wieder zusammenzubrechen, begann mich der Wahnsinn zu ergreifen.

Doch das Leiden des Geistes schien der Stimme nicht genug den ploetzlich bildeten sich ueberall in meinemund Shmendric's Gesicht schwarze, schwaerende Furunkel welche einen daemonischen Gestank verbreiteten. Wir waren gezeichnet und dem nicht genug, auch unsere Augen verfaerbten sich schwarz und kein Licht konnten wir nun mehr sehen. Das kalte Lachen ging uns durch Mark und Bein und mein Geist verfiel nun voellig dem Wahnsinn, waehrend sich Shmendric noch krampfhaft an seinen Glauben klammerte und die Zwoelfe beschwor ihm beizustehen. Als die Stimme uns ermahnte wir wuerden nun ihre Kinder sein, ihre Hand auf Dere, war der Zeitpunkt gekommen von dem an ich mich in meinem Wahnsinn meinem Schicksal fuegen wollte. Der weise Koenig wurde von alldem durch seine magischen Kraefte nicht beruehrt, doch seine Kraft reichte bei weitem nicht auch uns zu schuetzen. So entliess uns unser "Vater" mit dem Auftrag Martok den Krieger in Gareth den ewigen Schlaf zu schenken und als Lohn fuer unsere Dienste die Unsterblichkeit zu erhalten. Mit dem wiedergewonnen Augenlicht erblickten wir unsere neugewonnene Schwester Sheila, die gerade die Huette betrat ohne bemerkt zu haben welche Veraenderung sich bei ihr getan hatte. Voellig verrueckt geworden war es mir ein Leichtes Sheila davon zu ueberzeugen, dass zu tun ist was der Vater uns zu tun befahl. So brachen wir denn mit dem sicheren Wissen auf nach Gareth, dass wir dort unser Ende oder einen Neubeginn finden wuerden.

Mit leisem Schritt schlichen wir uns durch die Tore Gareth's und fanden uns ein bei Martok dem alten Krieger. Die Stimme hallte in unseren Koepfen und nicht lange zoegerten wir zu attackieren das auserkorene Opfer. Shmendricjedoch schoepfte aus seinem Glauben an seine Goetter Kraft und wiederstand der Macht welche Sheila und mich laengst fuehrte, und kaempfte an Martok's Seite. Der Koenig selbst hatte sich mittlerweile eingefunden und betrachtete voller Staunen und Entsetzen das Schauspiel. Mit Knall und Schwefelduft verschwand Shmendric vom Erdboden um wenige Minuten spaeter wieder voellig geheilt von all dem Uebel vor uns zu stehen. Selbiges geschah mit Sheila als sie zu zweifeln begann an der Macht des Wesens, welche uns scheinbar zu ihren Dienern gemacht hatte. Mein Geist jedoch war zu sehr dem Wahnsinn verfallen und auch hatte ich nichts woran ich mich haette klammern koennen wie Shmendric an seine Goetter...

Der Daemon von dem ich zweifellos besessen war hatte die Kontrolle ueber Shmendric und Sheila verloren, doch meine Wenigkeit wollte er anscheinend nicht auch noch verlieren. So versetzte er mich ploetzlich in einen Raum der ewigen Leere und des Nichts. Ich versuchte der graesslichen Stimme nicht laenger Beachtung zu schenken und um Kraft zu gewinnen mich zu erwehren, sank ich zu Boden und versuchte zu meditieren. Ich began Lieder zu singen aus laengst vergangenen Zeiten, aus der Zeit als mein Volk noch weitaus maechtiger und zahlreicher war. In der letzten Strophe des Liedes vom Sieg meines Volkes ueber das Boese verspuerte ich das Licht meiner Ahnen und so erhob ich mich stolzen Hauptes und schrie mit aller Kraft die noch in meinem geschwaechten Koerper verblieben war: "Niemandes Sohn ist Lox arc'hyaddan ausser der seiner elfischen Vaeter und Muetter, niemandes Diener wird er jemals sein!" Was danach geschah kann ich nicht erzaehlen, doch erwachte ich letztendlich in einem Tempel der Kaiserstadt neben einem Priester und Shmendric. Schwach war ich und kaum war es mir moeglich zu sprechen, doch dankte ich meinen Vaetern fuer den Beistand, der es mir ermoeglichte meinem Schicksal noch einmal zu entfliehen. Shmendric schleppte mich zu Elgar, einem Heiler, der sein Geschaeft versteht wie kein anderer, welcher die Wunden meines Leibes versorgte, doch mein Geist hatte weitaus tiefere Wunden davongetragen.

Nach einem tiefen Schlaf, der wie Balsam fuer mich war, machte ich mich auf den Weg meine Freunde zu finden. So fand ich sie auch bei Martok, gemeinsam mit dem Koenig hoechstpersoenlich und dem ehrenwerten Prinzen Dan, welcher uns jedoch noch kurz zuvor jegliche Hilfe verwehrte. Shmendric war in seinem Glauben an die Zwoelfe bestaerkt worden und Sheila gluecklich noch am Leben zu sein und das Boese bezwungen zu haben. Gross war die Freude des Wiedersehens und selbst dem hohen Adel schien sie ins Gesicht geschrieben zu sein. Mitten in dieser Szene der Wiedersehensfreude ertoente ploetzlich ein Horn und ein Bote ueberbrachte dem Koenig Botschaft von einem Heimkehrer. So geschah es denn, dass der ehrenwerte Herzog Tigerauge, oberster Fuehrer der Heere im Kampfe gegen das Dunkel im Verbotenen Land, nach etwa einem Jahr des Krieges ploetzlich und unverhofft vor uns stand. Sein Ruf als grosser Krieger geht ueber alle Grenzen hinaus, trotzdem war die Verwunderung ueber die Rueckkehr gross. Unser knapper Sieg ueber das Boese und die Rueckkehr des Herzogs aus den Verbotenen Landen liess Hoffnung in vielen keimen.

Das Licht siegt stehts ueber das Dunkel!
Lox arc'hyaddan - Der Schattenwanderer
 

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