Der gefallene Elf


Viel musste ich in meinen Leben schon sehen, doch was haette ich gegeben, wenn mir mein Schicksal erspart haette von dem ich nun zu berichten versuche. Schon seit einigen Monden trieb sich in Gareth und dessen Umgebung ein Elf herum, der wie man hoerte voellig anders, voellig badoc sei. Viele Tage und Naechte suchte ich eben diesen, und durch die Hilfe eines jungen Menschenkriegers namens Damian gelang mir dies auch. Schnell erkannte man, das dieser Elf vom Wege abgekommen war und schwarz und dunkel war sein Herz geworden. Kein gutes Wort sprach er und nicht die Liebe des Volkes der Waelder trug er in seinen Augen. Nur das schlimme Abbild eines Elfen war geblieben und mir schauderte bei dem Gedanken einen meiner Brueder vor mir zu haben. Nicht lange blieb die Frage des Grundes ungeklaert, denn schnell verriet sich dieser junge Elf. Er nannte sich Azaril und erklaerte von einem Dorf nahe Albjon zu kommen, doch kaum einen Satz konnte er sprechen ohne dabei voller Furcht ein Medaillon auf seiner Brust zu umklammern. Grosse Angst trug er in sich, eben dieses Stueck zu verlieren und in seinen von Hass beeinflussten Gedanken sah er in jeder Person einen moeglichen Dieb dieses Kleinods.

Durch etwas Glueck gelang es mir jedoch einen kurzen Blick auf das Stueck zu werfen und schnell erkannte ich was die ueblen Runen und Symbole darauf zu bedeuten hatten, waehrend die finstere Aura ihr uebriges tat mir zu erklaeren, dass eben dieses Medaillon der Grund fuer die Veraenderung sein musste. Mir war klar, das Schicksal wollte es, ich musste den Bruder meines Volkes retten, seinen Seelenqualen ein Ende bereiten. Schnell war zu sehen, dass mit guten Worten nichts zu erreichen war und mein Begleiter, der junge Thorwaler, machte sich bereits fuer einen Kampf bereit. Doch seine angeborenen Faehigkeiten hatte Azaril nicht verloren, und noch schneller als irgendein Elf den ich jemals sah bewegte sich dieser. Mit einem schnellen Satz entkam er und ward fuer mehr als einen Mond nicht mehr gesehen. Stets suchte ich ihn, denn ich wusste ich war auserkoren, den Gefallenen zu finden und zu erloesen. Nach vielen Tagen des Wanderns und der Suche, fand ich Azaril in einer kleinen Stadt namens Daarnbyl. Auf meiner Suche hoerte ich von den schlimmen Taten die er bereits begangen hatte und ich wusste durch die Geschichten die man sich ueber ihn erzaehlte, das er weitaus gefaehrlicher war als ich zu Anfang dachte. So stand er denn vor mir, in die Enge getrieben in einem kleinen Laden. Um ihm die Flucht unmoeglich zu machen, bat ich einen jungen Garether mit dem Namen Armenius den Ausgang zu bewachen. Ein noch junger Krieger vom Volke der Menschen, dennoch nahm er allen Mut zusammen und willigte ein mir zu helfen. Azaril's Wut und Hass war grenzenlos, es schien das sich jeder seiner Gedanken nur noch um das Medaillon drehte. Viele Worte richtete ich an ihn, ich versuchte den vom Wahnsinn ergriffenen zu ueberzeugen mir sein Schmuckstueck zu uebergeben, erklaerte das eben dies schuld waere an seinem Verhalten. Doch zwecklos war dies Unterfangen, man konnte ihn nicht ueberzeugen.

So nahm ich denn schweren Herzens, wissend das einer von uns Beiden den Tod finden wuerde, meinen Stossspeer zur Hand und ein grosser Kampf entbrannte. Azaril hatte durch seine ueblen Schandtaten viel gelernt und war ein grosser Kaempfer geworden, der den Speer nicht weniger gut fuehrte als ich selbst. Nach Minuten in denen wir uns gegenseitig tiefe Wunden zufuegten und die Einrichtung des Ladens langsam zu Bruch ging, gelang es mir schliesslich ihn bewusstlos zu schlagen. Schnell nahm ich, mit der Hoffnung eine Seele von der dunklen Seite zurueck zu holen, das Medaillon an mich. Leider war dem nicht so, denn kaum erwachte der Gefallene von seiner Bewusstlosigkeit, attackierte er mich weiter, denn seine Wut war nun noch mehr entbrannt und lieber wollte er den Tod finden als sein Kleinod in anderen Haenden zu wissen. So musste ich ihm den toedlichen Stoss meines Speeres ins Herz rammen, um mein eigen Leben zu retten. Schmerzerfuellt sank er zu Boden, doch glaube ich in seinen Augen den Blick der Erloesung erkannt zu haben, waehrend ich seither ein wenig mehr Schatten in mir trage.

Ich entkleidete den Elfen der sich Azaril nannte, wusch seinen Koerper in den Wassern des Darpat und begrub ihn in den tiefen Waeldern in denen er seine Wurzeln hatte. Sein Hab und Gut verteilte ich unter den Armen der Menschen, von denen viele an der Zahl es gibt, waehrend ich das schreckenserregende Medaillon einem grossen Magier gab, der es zu vernichten wusste. Mehr als einen Tag verbrachte ich neben dem Leib des gefallenen, und Trauer und Schmerz fuehle ich noch immer in mir.

So niedergeschrieben am 8. Tag des Firun im Jahre
26 nach Hal,
Lox arc'hyaddan

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